Die 'Unbekannte Auflage'

Meine ersten Informationen über Hefte, die heute in Sammlerkreisen als die 'Unbekannte Auflage' beschrieben werden, erhielt ich im Dezember 2003 bei einem Informationsaustausch mit einem SF-Fan und Perry Rhodan Sammler der ersten Stunde. Er berichtete mir, kurz gefasst, dass es Exemplare der Nummer 1 Erstauflage auch mit Preisaufdruck DM 1,50 geben würde. Diesem für mich scheinbaren Anachronismus ging ich nach und konnte Hefte der Nummern 1, 2 und 4 erwerben, deren Titelseiten fast identisch mit denen der ersten Auflage waren - aber den erwähnten Preisaufdruck hatten. Bei genauerer Betrachtung entdeckte ich bei jedem Exemplar an der Innnenfalz einen deutlichen Hinweis, dass es sich um einen Nachdruck der Erstauflage handelte.

Ich veröffentlichte 2004 Bilder meiner Fundstücke auf dieser Site und prägte in der Beschreibung dabei den Titel 'Unbekannte Auflage'. Lange konnte ich keine neuen fundierten Erkenntnisse hinzugewinnen, einzelne Berichte schienen mir nicht unbedingt ausreichend belegbar zu sein. Auch andere Nummern, die zu dieser "Auflage" gehören würden, wurden zwar häufig kolportiert, liessen sich aber trotz intensiver Suche nie belegen.

Nr. 1

Kein Auflagenvermerk auf der Titelseite (wie Erstausgabe), aber Preis DM 1,50

Ausführung des Titelbildes (blaue Erde) ähnlich griechische Ausgabe

Auf der letzten Innenseite an der Falz: "PR. I. Nr. 1 Nachdruck"

Nr. 2

Kein Auflagenvermerk auf der Titelseite (wie Erstausgabe), aber Preis DM 1,50

Ausführung des Titelbildes wie 4. Auflage

Auf der letzten Innenseite an der Falz: "PR. I. Nr. 2 Nachdruck"

Nr. 4

Kein Auflagenvermerk auf der Titelseite (wie Erstausgabe), aber Preis DM 1,50

Ausführung des Titelbildes wie 4. Auflage

Auf der letzten Innenseite an der Falz: "PR. I. Nr. 4 Nachdruck"

Es ist belegt, dass Exemplare der 'Unbekannten Auflage' im Rahmen der Auslieferung zur '3. Auflage' in den deutschen Vertrieb gelangt sind.

Die Gründe warum man gekennzeichnete Nachdrucke einzelner Nummern der 'I. Auflage', vermutlich in der Zeit zwischen der dritten und der vierten Auflage (nach 1973 und vor 1977) gefertigt hat, mögen vielschichtig gewesen sein. Eine kontinuierliche, echte "Zwischenauflage" hat man bestimmt nicht im Sinn gehabt. Dafür sind die gefundenen Exemplare der einzelnen Nummern viel zu selten und es lassen sich überhaupt nur die 3 o.a. Nummern belegen.

Nr. 3

Anfang 2014 wurde eine Nummer 3 ohne Auflagenvermerk mit aufgedrucktem Preis DM 1,50 für 156,50 € versteigert.

Die Bieter vermuteten ein bisher nicht bekanntes Heft der "UA"?

Ein Original oder nur eine Täuschung?

Dann, im Frühjahr 2014, konnte zu diesem Thema interessantes neues Material durch Mariusz Rejmanowski vorgelegt werden. Aus Zeitgründen verweise ich hier auf die Präsentation dieses Materials auf Reinhard Peters Site.

 

Meine Gedanken zu diesen Heften:

Viele Theorien über die Produktionsgründe für diese aus dem Rahmen fallenden Hefte können entwickelt werden, eindeutig scheint mir jetzt nur belegt worden zu sein, dass alle diese Hefte in einem verhältnismäßig nah beieinander liegenden Zeitraum produziert wurden.

Quasi analog zur '3. Ausgabe' stelle ich für mich fest, dass obwohl diese Hefte einerseits durch die vielleicht gleichzeitig erfolgte Produktion und die vielen Gemeinsamkeiten zu nur einer Produktionslinie gehören, sie andererseits aber drei verschiedene Ausgaben darstellen.

Die Vermutung von Mariusz Rejmanowski, dass alle o.a. Hefte zeitgleich produziert wurden und Designstudien zur Vorbereitung der '4. Auflage' darstellen, hat für mich sehr viel Logik. Mariusz geht dabei von einer Produktion in der zweiten Jahreshälfte 1975 aus.

Aus welchen Gründen nun gerade diese (ich gehe aber sehr davon aus, dass man noch weitere finden wird) Nummern vorliegen wird wohl noch sehr lange, wenn nicht für immer, verborgen bleiben.

Ich wage die Prognose, dass die "Roten", deren Produktionszeitpunkt durch diese Erkenntnisse zwar enger eingegrenzt werden konnte, deren wirklicher Produktionsgrund aber immer noch im Dunkeln bleibt, dass diese Hefte wegen ihrer Ähnlichkeit zur Erstauflage auch weiterhin gesuchte und hochgeschätzte Raritäten bleiben werden.

Die "Blauen" hingegen stellen innerhalb der '3. Auflage' zwar interessante Nachauflagen dar, aber der an der '3. Auflage' interessierte Sammlerkreis dürfte deutlich kleiner sein. Die Preise für diese Exemplare werden sich gewiß entwickeln und auf Dauer höher liegen als allgemein für die '3. Auflage' geboten werden wird. Sie werden aber (obwohl sie vielleicht sogar noch seltener sein mögen) nicht solche Höhen erreichen wie die "Roten".